Der Flugplatz von Locarno-Magadino dient dem PC-7 TEAM als zweite Homebase. Hier trifft es sich meist im Frühjahr zur Vorbereitung auf die neue Saison – diesmal mit drei neuen Mitgliedern

AM BODEN ÜBT SICH WAS IN DER LUFT GELINGEN SOLL

von Marianne Baltisberger
Die neun Flugzeuge über dem Aeroporto Locarno-Magadino…
Das PC-7 TEAM bei den Vorbereitungen zum Start
…und über den Brissago-Inseln
Über die Grenzen hinaus bekannt: das PC-7 TEAM stellt sich mit den Mitgliedern des Frecce-Tricolori-Fanclubs zum Fototermin auf

Der Kaffee muss warten. Im Flur der Kaserne auf dem Militärflugplatz von Locarno-Magadino sind die Schritte und Stimmen der Piloten des PC-7 TEAM zu hören. Kommandant Oberst Werner Hoffmann – Fliegername „Höffi“ – lässt die Tassen stehen. „Kommen Sie, das Team läuft im Hof das Programm ab. Das müssen Sie sich ansehen.“ Neun junge Männer in grünen Overalls gehen Schulter an Schulter die Punkte des diesjährigen Programms durch. Vom „Flying Diamond“ und „Super Canard“ bis zum krönenden Abschluss, dem „Grande“. Team-Leader Hptm Martin Vetter gibt die Befehle im Bambini-Code, der alten Militärpilotensprache der Schweizer Luftwaffe. Es sind vokalreiche Wörter, häufig auf Italienisch, die über die nationalen Sprachgrenzen hinweg leicht zu verstehen sind. „In der modernen Militärfliegerei sind die Begriffe längst durch englische Wörter ersetzt worden“, erklärt Hoffmann. Heute gilt es, nicht nur innerhalb von Sprachregionen, sondern auch zwischen den Nationen zu kommunizieren. „Die jungen Piloten, die ins Team eintreten, müssen den Bambini-Code wieder neu lernen.“ Was auf dem Betonplatz zwischen Kaserne und Hangar spielerisch leicht erscheint, verlangt in der Luft Konzentration und gegenseitiges Vertrauen. Zentimeter, welche die Piloten am Boden voneinander trennen, sind im Formationskunstflug bloss wenige Meter. Alle Piloten des PC-7 TEAM gehören dem Berufsfliegerkorps an und fliegen – wenn sie nicht mit den rotweissen Schulflugzeugen unterwegs sind – auf F/A-18 Hornet. „Wir sind keine Profi-Kunstflugstaffel, wie etwa die italienische Frecce Tricolori“, unterstreicht der Kommandant, der das Geschehen des PC-7 TEAM vom Boden aus lenkt. Ihr „Daily Business“, wie es im Dokumentarfilm „Flying Diamond“ heisst, ist das Fliegen auf der F/A-18. „Da sehen uns die Leute aber meist nur starten oder landen.“ Durch das PC-7 TEAM erhält die Luftwaffe die Gelegenheit, der Öffentlichkeit die Einsatzbereitschaft und das breite fliegerische Können zu demonstrieren. Dynamik, Eleganz, Präzision: „Wir stehen für Schweizer Werte“, sagt Hoffmann, „und solange die Schweizer Bevölkerung eine Armee will, ist es auch richtig, dass sie sich der Bevölkerung präsentieren kann.“ Nebst dem PC-7 TEAM ist die Patrouille Suisse das andere bekannte Aushängeschild der Schweizer Luftwaffe. Steht das PC-7 TEAM mit den Propellerflugzeugen im Schatten der Jet-Kunstflugstaffel? Hoffmann winkt ab. „Bei der Geschwindigkeit können wir nicht mithalten, dafür können wir uns mit den engeren Drehradien besser der Landschaft anpassen. Wir ergänzen uns optimal.“ Auch die Lärmemissionen sind bei den TurboprobMaschinen wesentlich geringer als bei Tiger-Jets. Der aktuelle Kommandant des PC-7 TEAM flog einst selbst in den Reihen der Patrouille Suisse. „Als ich es etwas ruhiger angehen und wieder etwas mehr freie Wochenenden wollte, bekam ich einen Anruf: Das PC-7 TEAM hatte mich zum Kommandanten gewählt.“ Alle Piloten des PC-7 TEAM müssen von den anderen Mitgliedern der Gruppe einstimmig und ohne Vorbehalte angenommen werden. „Vertrauen ist grundlegend“, so Hoffmann. Dazu gehören auch das offene Gespräch und nach jedem Flug ein ehrliches Debriefing. Auf dem Flugplatz LocarnoMagadino hat sich mittlerweile eine Gruppe Fans der Frecce Tricolori unter die Zuschauer

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gemischt. „Sie besuchen uns jedes Jahr.“ Vor dem Start zum nächsten Übungsflug stellt sich das PC-7 TEAM gerne für Fotos in Pose. Ein kurzer Moment des Blitzlichts und der Bewunderung. Die Piloten schätzen den direkten Kontakt zum Publikum, das sie bei ihren Flugvorführungen sonst nur als dunkle Massen erkennen. Auftritte wie denjenigen beim Skiweltcup-Finale in Lenzerheide im vergangenen März nutzt das Team auch als Werbung für die Schweizer Luftwaffe und als Ansporn für Jugendliche, einen Beruf in der Aviatik zu wählen. „In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das wirtschaftliche Umfeld stark verändert“, weiss Hoffmann. Privatfirmen seien weniger bereit, ihre Angestellten für eine Militärkarriere freizustellen. Auch die Zusammenarbeit mit der Zivilluftfahrt hätte abgenommen. „Obwohl das Militär erstklassige Piloten ausbildet.“ Die Flugzeuge des PC-7 TEAM starten in Zweiergruppen Richtung Centovalli. Der Fanclub der Frecce Tricolori winkt. Die italienischen Flugfans sind begeistert von der Zugänglichkeit und Freundlichkeit der Schweizer Piloten. Sie werden warten, bis der neunköpfige Fliegertrupp nach rund einstündigem Training wieder landet. Während der Trainingswoche im Tessin absolviert das PC-7 TEAM täglich Trainingsflüge in einem ihm zugewiesenen Luftraum über den Centovalli. Die drei neuen Piloten müssen in die Gruppe integriert, das aktuelle Programm verfeinert werden. Heute, Freitagvormittag, sind auch Übungen über dem Flugplatz von LocarnoMagadino geplant. Nächste Woche geht es in Dübendorf weiter. Danach ist das PC-7 TEAM bereit für die neue Saison.

Das PC-7 TEAM wurde 1989 zum 75. Geburtstag der Schweizer Luftwaffe gegründet und hat seither sein Vorführprogramm kontinuierlich ausgebaut und verfeinert. Der preisgekrönte Dokumentarfilm „Flying Diamond“ gibt Einblick in den Alltag und die Philosophie des Teams. Auf Ende April erscheint im AS Verlag das Buch „PC-7 TEAM - Backstage“. Dieses kann schon jetzt über die Homepage vorbestellt werden: www.pc7-team.ch.